Winkewinke

So ein kluges Kerlchen! Und das sage ich nicht, weil ich die stolzeste Tante der Welt bin. Sondern weil Toni in letzter Zeit so viele mega krasse Entwicklungsschübe gemacht hat, dass ich kaum hinterher komme, davon zu erzählen.

Womit fange ich an? Mit den sechs Wochen, in denen seine Oma zu Besuch war und ihm so viel beigebracht hat, an dem wir uns im Nachgang jetzt alle miteinander erfreuen können.

Toni klatscht. Das macht er voller Herzensbrunst. Und er ist begeistert, wenn seine kleinen Hände aufeinander treffen und so lustige Geräusche machen. Und Toni dreht die kleinen Finger grazil in der Luft, als seien sie kleine Leuchttürme – damit das passiert, muss man ein ganz bestimmtes Kinderlied anstimmen und schon weiß Toni, welche Bewegung dazu gehört. Toni kann auch die beiden kleinen Fäuste in die Höhe wirbeln und herausragend fröhlich Jubeln – als habe die deutsche Fußballmannschaft gerade ein Tor geschossen. Das alles ist sehr sehr niedlich und wunderschön anzuschauen – vor allem, wenn man auf die eigenen Bemühungen hin seine Reaktionen erntet.

Am Samstag liegen wir am Nachmittag gerade alle zusammen auf dem bunten Teppich vor der Eingangstüre: Toni, seine Eltern und seine Tante haben es sich dort miteinander bequem gemacht. Tonis Mama bringt einige kleine Zellophantüten mit auf den Teppichboden – über und übervoll mit kleinen bunten Aufklebern. Da sind Tiere aus dem Zoo, allerlei Blumen und hübsche Dinosaurier zu finden. Das ist das erste Mal, dass Toni Bekanntschaft mit dem Medium Aufkleber macht…

Anfangs wundert er sich, warum der orangefarbene Gorilla auf seinem Handrücken und an seinen Fingerchen so penetrant hängen bleibt. Dann staunt er nicht schlecht darüber, dass sich die gelbe Giraffe auf einer Papieroberfläche fest krallt. Besonders gut gefällt es ihm, wenn man auf das gerade aufgeklebte Zebra mit der Faust nochmals drauf boxt, damit es auch tatsächlich dort bleibt, wo es seinen Platz nun hat. Und es braucht nicht lange, da hat Toni das Klebe-Prinzip auch schon verstanden: Schwupps – dreht er die klebrigen Tierchen mit einem Handgriff um und setzt sie mit der klebrigen Seite auf das weiße Blatt. 100 Punkte, Toni!

Beim Kleben hat die Tante dann plötzlich einen Spaß daran, eine kleine rote Blume auf Tonis Nasenspitze zu setzen und eine kleine gelbe Sonnenblume auf die eigene. Toni schaut. Er konzentriert sich. Er merkt, dass sich an dem Gesicht ihm gegenüber etwas verändert hat. Er denkt nach. Die Tante klebt sich einen blauen Dinosaurier auf die Wange und eine Schildkröte auf die Stirn. Toni schaut genau hin. Und ich schwöre – es braucht keine fünf Minuten, da findet Toni auch schon einen großen Gefallen daran, das Nilpferd, das ich ihm gerade rüber gereicht habe, auf Papas linke Wange zu kleben – hübsch drapiert unter dem Auge. Im nächsten Schritt setzt er ein kleines pinkes Saurier-Ei auf Mamas Nasenspitze. Und freut sich, dass das mit der Kleberei so perfekt funktioniert. Auf den Menschen sogar noch viel besser als auf Papier, Schnellheftern oder Ordnerrücken.

Ein bisschen fühlt es sich so an, als könnten wir alle frisch dekoriert jetzt sofort los auf den nächsten Kindergeburtstag. Oder als hätten wir für Fasching schon mal geübt – wir machen das nicht mit Schminke, sondern dieses Jahr mit Aufklebern – das ist hipp! Toni – du bist ein pfiffiges Kerlchen, toll gemacht!

Ein besonderes Highlight ist auch, wenn Toni mir zur Begrüßung oder zum Abschied winkt: Dann nämlich hat er die Finger zu sich gedreht und bewegt sie – wie eine Reihe kleine, fest zusammen stehender Soldaten – auf und ab. Winkewinke – zu sich selber hin. Gerade so, als wolle er damit sagen: Komm her, bleibe hier, geh nicht weg! Vielleicht sollten die Erwachsenen davon etwas lernen – und den Winkegruß einfach mal andersherum machen…

 

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