Erinnerungen

 

 

 

 

 

 

Wenn ich so über meine Rolle als PANK nachdenke und mich frage, wie ich denn den Weg zur besten Tante der Welt gestalte, kommen mir Erinnerungen. Erinnerungen an meine eigenen Tanten. Interessant dabei ist, dass es gar nicht die tatsächlichen Tanten sind, die mir so in den Sinn kommen, also weder die Schwester meines Vaters noch die angeheirateten Tanten meiner verschiedenen Onkel. Es ist eine Generation weiter hinten, die mir schöne Momente in der Kindheit beschert hat. Die Frauen, die zwar auch als Tanten bezeichnet wurden, aber eigentlich Großtanten waren, also Geschwister eines Großelternteils. Zwei sind mir besonders stark in Erinnerung geblieben.

Tante Juzzi wohnte im Haus meiner Großeltern. Dort im Ersgeschoss hatte sie einen wunderschönen Garten, in dem Himbeeren wuchsen. Wenn ich am Wochenende Oma und Opa im Schwarzwald besuchte und beide so langsam die Nase davon hatten, mir ständig etwas vorzulesen, mir Tomatensuppe mit muschelförmigen Nudeln zu kochen oder mich auf sonst eine erdenkliche Art bei Laune zu halten, ging ich ein paar Treppen runter und besuchte Tante Juzzi. Ihr Name klingt so stachelig, wie ihre Haut im Gesicht war, daher fand ich innige Umarmungen und vor allem Küsse nicht so angenehm. Ähnlich stachelig ging es dann im Himbeerstrauch bei ihr zu – doch was für ein Gefühl, frische süße Früchte den Dornen zu entreißen und zu genießen. Später haben Himbeeren nie wieder so wunderbar geschmeckt.

In der Wohnung von Tante Juzzi gab es einen kleinen, sehr düseren Raum. Ihr eigentliches Gästezimer hatte die alte Dame zu ihrer Vorratskammer umfunktioniert. Mit den Augen des Kindes betrachtet, standen in dem engen Zimmer riesige Möbelstücke aus schwerem Holz, allerlei Gerümpel türmte sich meterhoch, die Couch war beladen mit Hausrat und Einkäufen. Doch es gelang der Tante jedes Mal aufs Neue, aus dem Chaos allerlei hübsche Dinge zu zaubern, sei es ein Glas roter Marmelade oder ein riesiges, in schrill leuchtendem Zellophan gekleidetes Osterei, das sie mir dann überreichte – irgendwann unterm Jahr.

Am schönsten allerdings war es, wenn Tante Juzzi ihre Nähmaschine auspackte. Zwischen dem Küchentisch mit der lustigen Folientischdecke und dem Kühlschrank, der immerzu Schluckauf zu haben schien, rollte sie den Kasten heran. Die Nähmaschine war in ein eigenes Möbelstück eingelassen, das sich vorne mit zwei Türen wie eine Schatztruhe öffnete und das gusseiserne Gerät zum Hochklappen frei gab. Ich machte es mir dann unter der Nähmaschine bequem, wie in einer kleinen Höhle. Es war beruhigend, wenn es über mir knatterte und ratterte, wenn die Nadel durch den Stoff wanderte. Es war beinahe einschläfernd, wenn ein Fuß der Tante immer wieder unter der gemusterten Kittelschürze hervor kam und in rhythmischen Auf- und Abbewegungen das Pedal betätigte. Und bei jeder Bewegung kam ein frischer Schwall Parfumduft bei mir an, denn Tante Juzzi benutzte – wie so manche Damen in ihrem Alter – 4711 Echt Kölnisch Wasser.

Ein Kind kann mit so wenig glücklich sein – mit einer Handvoll Himbeeren und einem Versteck in der Nähe der nähenden Tante.

Meine andere Tante, die immer wieder wunderbare Erinnerungen weckt, war Tante Lonzi. Sie lebte in einem Reihenhaus, das mir vor allem sehr schmal vorkam. Die Treppe, die bei ihr in die oberen Stockwerke führte, war so eng und vor allem so steil geschnitten, dass ich sogar als Kind meine Schweirigkeiten hatte, da unversehen auf und ab zu steigen, ohne abzurutschen. Die große Besonderheit bei den Besuchen dort allerdings waren die Haustiere, die Tante Lonzi beherbergte. Kaum eingetroffen, stand ich auch schon an dem Metallgitter, lugte in den Käfig, wo sich zwischen raschelndem Stroh und Heu die kleinen quietschenden Gesellen befanden.

Meerschweinchen sind doch eine ganz herausragende Schöpfung der Natur! Auf den ersten Blick weiß man nicht so genau, wo vorne und hinten ist. Erst wenn das Fellbündel nach der frischen Karotte schnappt, lüftet sich das Geheimnis. Die langen kuscheligen Haare sind wie in kleinen Wirbeln am Körper angebracht. Und es ist gar nicht so leicht, so ein flinkes Tierchen zu erwischen, um es dann stundenlang auf den Armen zu halten und dabei zu streicheln. Am liebsten das in den Farben Schwarz, Weiß und Rot. Als Kind mochte ich vor allem die fiepsenden und piepsenden Laute, die die Meerschweinchen so von sich gaben. Wenn sie gurrten und muckten und an ihrem frischen Heu mümmelten, ging es mir gut.

Mal sehen, wann ich Toni ein Meerscheinchen schenken darf… Vermutlich muss ich seine Eltern mit frischen Himbeeren bestechen…

 

(Hinweis: Dieser Artikel enthält einen Affiliate Link.)

 

2 thoughts on Erinnerungen

  1. Welch wunderbare Erinnerungen. Erst neulich hab ich ein Fläschchen Kölnisch Wasser von meiner Omi geschenkt bekommen. Auch bei mir ist dieser Duft mit Kindheitserinnerungen verbunden

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